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Magazin des LFE

Das Magazin ist die Informationsplattform des LFE für Sachverständige und Interessierte. Auch Gäste nutzen dieses Wissensblog gern. Die Fachartikel regen zur Diskussion an, können kommentiert und mit Ihren Erfahrungen ergänzt werden. Natürlich kann diese Expertise auch mit Dritten geteilt werden.

Für mehr Komplettsanierungen auf KfW-Effizienzhausstandards 85 und besser

Soll ein Gebäude energetisch ertüchtigt werden, gelangt man zwangsläufig zu dem Thema Wärmedämmung. Dabei ergeben sich für den Bauherren insbesondere folgende Fragen:

  • Welche Effekte hat die Wärmedämmung und 
  • Welche Materialien soll er für die Wärmedämmung wählen?

1. Zu den Effekten der Dämmung

Für die Außenwand lässt sich der Zusammenhang zwischen Dämmstärke und sich daraus ergebender Oberflächentemperatur gut verdeutlichen. Selbst mit geringen Dämmstärken wird schon ein deutlicher Effekt der Behaglichkeitssteigerung durch die deutlich höheren Oberflächentemperaturen erzielt.

Quelle: eigene Darstellung
 

Zur Erfüllung der EnEV sind bei 36er Mauerwerk Dämmstärken von mind. 12 cm bei  = 0,035 W/(m K) zu wählen, für einen U-Wert von 0,13 W/(m²K) wären es 24 - 26 cm.
 

Plädoyer für die Komplettsanierung zu einem KfW-Effizienzhausstandard

Die überschläglichen U-Werte der einzelnen KfW-Effizienzhausstandards zeigt folgende Tabelle. Für eine erste überschlägliche Ermittlung der maximalen U-Werte der einzelnen Bauteile könnten demnach die Anforderungswerte H’T  / H’T Ref mit den jeweiligen Bauteil-U-Werten des EnEV-Referenzgebäudes nach Anlage 1 EnEV multipliziert werden.

Quelle: eigene Darstellung, unter Zugrundelegung der techn. Mindestanforderungen lt. Merkblatt KfW – TMA für die KfW-Programme 151/153
 

Die roten U-Werte sollen signalisieren, an welcher Stelle „Luft ist“. Für die oberste Geschossdecke wurden die anzustrebenden U-Werte auf 0,20 W/(m²K) und für das Steildach auf 0,24   0,20 W/(m²K) festgeschrieben. Soll die Dämmung von oberster Geschossdecke oder Steildach als Einzelmaßnahme über die KfW-Bank bezuschusst werden, muss ein U-Wert von 0,14 W/(m²K) erreicht werden, was bei beabsichtigter Dachneueindeckung eine lohnende Option sein kann. Grüne U-Werte/Wärmebrückenzuschläge sollen Optimierungspotenziale verdeutlichen.

Soll ein Gebäude unter Umsetzung der U-Werte des Referenzgebäudes komplett saniert werden, landet der Bauherr automatisch zumindest in Bezug auf die Anforderungen an H‘T bei KfW-Effizienzhausstandard 85.
Die Auswirkung der Dämmung auf die einzelnen Bauteile verdeutlicht folgende Abbildung am Beispiel eines freistehenden Gebäudes mit 20 x 10 m Grundfläche und 2 Vollgeschossen.

Quelle: eigene Darstellung
 

Bei Umsetzung der U-Werte des EnEV-Referenzgebäudes ergibt sich bezogen auf die Hüllflächenverluste eine Reduzierung der Größe H‘T von bis zu 70 % gegenüber dem komplett unsanierten Bestand.
Wird stärker gedämmt, sind auch die höheren KfW-Effizienzhausstandards 70 oder gar 55 möglich. Beim KfW-Effizienzhausstandard 55 darf H’T maximal 70 % bezogen auf das Referenzgebäude betragen.

Bei Baudenkmälern und sonstiger erhaltenswerter Bausubstanz kann von den energetischen Anforderungen an den KfW-Effizienzhausstandard Denkmal (H’T und QP) auch aufgrund denkmalpflegerischer Auflagen abgewichen werden, was von der Denkmalbehörde zu bestätigen ist. Dennoch sollte auch bei Baudenkmälern der Mindestwärmeschutz eingehalten werden. Hierfür können, wenn eine Außendämmung (z.B. mit Wärmedämmputz ausgeschlossen ist), die Außenwände mit einer kapillaraktiven Innendämmung von 4 - 6 cm versehen werden, um den Mindestwärmeschutz (Schimmelvermeidung) einzuhalten und gleichzeitig eine deutliche Erhöhung der Oberflächentemperaturen zu bewirken. Zum Vergleich, eine 36,5 cm starke Außenwand hat bei einer Dichte von 1.600 kg/m³ nur einen U-Wert von 1,40 W/(m³K). Auch eine beidseitig verputzte 65 cm starke Wand hätte bei gleicher Mauerwerksdichte nur einen U-Wert von ca. 0,87 W/(m²K) und würde den Mindestwärmeschutz nicht einhalten. Mit einer Innendämmung kann der U-Wert der Wand auf ca. 0,70 - 0,45 W/m²K reduziert werden.
Dach und oberste Geschossdecke sollten bei einer beabsichtigten Komplettsanierung so gut wie möglich gedämmt werden.

Den Effekt aufeinander aufbauender Sanierungsschritte bei Bilanzierung nach DIN 4108-6 / 4701 verdeutlicht folgendes Diagramm für ein freistehendes Einfamilienhaus mit 2 Vollgeschossen und einer Grundfläche von 12,5 x 12 m.

Quelle: eigene Darstellung

Legende: Maßnahmen bauen aufeinander auf: 

1. Schritt: Dämmung der obersten Geschossdecke, 
2. + Dachdämmung, 
3. + Kellerdecke, 
4. + Außenwände + Fenster + Wärmebrückenzuschlag 0,05 W/m²K und 
5. + Gebäudetechnik (Brennwertkessel+ Solar für Brauchwarmwasser + Abluftanlage + Fußbodenheizung)

 

Im Verlauf der Graphen zeigt sich deutlich die Korrelation der Größen H’T und Heizwärme- bzw. Endenergiebedarf. Gleichzeitig zeigt das Diagramm, dass gerade die Wärmedämmung der Außenwände deutliche Einsparungen bewirkt. Mit zunehmender Geschossanzahl nimmt automatisch auch der Flächenanteil der Außenwände zu und damit deren Anteil an den Wärmeverlusten. Dies gilt bei freistehenden Gebäuden noch ausgeprägter als bei beidseitig angebauten Häusern.

Eine Optimierung der Wärmebrücken ist im Zusammenhang mit der Wärmedämmung aller Bauteile bei einer Komplettsanierung empfehlenswert. Bei einer außenseitigen Wärmedämmung der Umschließungswände sind beispielsweise die Außenecken und einbindende Geschossdecken schon einmal automatisch als Wärmebrücken „ausgeschaltet“.
Andere Wärmebrücken bedürfen der Optimierung. Fensterlaibungen sind nach DIN 4108 – BB 2 mind. 3 cm stark zu dämmen. Der Gebäudesockel (zum unbeheizten Keller) ist ebenfalls eine optimierbare Wärmebrücke. Auskragende Balkone oder Überdächer, etc. sind abzubrechen. Auch der Anschluss Außenwand / Dach ist nach den Konstruktionsvorschlägen der DIN 4108 – BB 2 zu ertüchtigen. Hilfestellung zu Wärmebrücken in der Bestandssanierung bietet der gleichlautende DENA-Ratgeber. Ein detaillierter Wärmebrückennachweis und die Optimierung von Wärmebrücken ist für die KfW-Effizienzhausstandards (70), 55 und 40 ratsam.

Im Zusammenspiel zwischen Gebäudehülle und Gebäudetechnik ist die energetische Ertüchtigung, sprich die Wärmedämmung der Gebäudehülle plus Ersatz der Fenster die Voraussetzung dafür, dass auch die Gebäudetechniksanierung durch Wärmepumpen in Kombination mit einer Fußbodenheizung erfolgen kann und die Heizkreistemperaturen der Wärmeverteilung deutlich abgesenkt werden können. Zusätzlich kann der Strom für die Wärmepumpe zumindest teilweise über eine Photovoltaikanlage erzeugt werden, wodurch sich End- und Primärenergiebedarf des Gebäudes stark reduzieren.
 

2.    Auswahl von Dämmstoffen

Wenn der angestrebte Effizienzhausstandard und damit die U-Werte der einzelnen Bauteile feststehen, kann im zweiten Schritt überlegt werden, mit welchen Materialien die Dämmung erfolgen soll. Der Bauherr hat die Auswahl aus verschiedensten Dämmstoffen, von EPS, über mineralische Dämmstoffe wie z.B. Steinwolle oder auch Platten auf Basis von z.B. Blähperlit, bis hin zu nachwachsenden Rohstoffen wie Holzfaserdämmstoffen oder Zellulose. Mögliche Auswahlkriterien können neben den Kosten auch z.B. die „graue“ Energie der Herstellung, Langlebigkeit, Brandverhalten oder Schadstoffbelastung verschiedener Dämmstoffe sein.
In Bezug auf die graue Energie der Herstellung wurde in der Publikation „Graue Energie von Neubauten – Ratgeber für Baufachleute“ von EnergieSchweiz herausgearbeitet, dass bei üblichen Dämmstärken bis 30 cm die Gesamtenergiebilanz aus grauer Energie für die Dämmstoffe und Heizenergie sich im Minimalbereich bewegt.

Quelle: „Graue Energie von Neubauten – Ratgeber für Baufachleute“ von EnergieSchweiz
 

Solche Gesamtenergiebedarfskurven werden in der nächsten Graphik für die Dämmstoffe EPS, Schaumglas und Zellulose im Vergleich dargestellt. Da Zellulose ein nachwachsender Rohstoff mit geringem Anteil grauer Energie ist, nimmt der Gesamtenergiebedarf selbst bei höheren Dämmstärken immer weiter ab, weil mehr Energie für die Beheizung eingespart wird, als Energie für die Dämmstoffherstellung erforderlich ist. Zudem weist Zellulose optimale Eigenschaften für den sommerlichen Wärmeschutz auf.

Quelle: „Graue Energie von Neubauten – Ratgeber für Baufachleute“ von EnergieSchweiz
 

In Bezug auf die oft deutlich höheren Kosten z.B. ökologischer Dämmstoffe ist zu wünschen, dass dem in der Weiterentwicklung der Förderprogramme über ein sog. Ökomaterialpaket analog zum Pluspaket für den Effizienzhausstandard 40 beim Neubau Rechnung getragen wird.

Fazit:

Für jedes Gebäude lässt sich nachweisen, dass über die Wärmedämmung der Gebäudehülle deutliche Einspareffekte und damit einhergehend eine deutliche Verbesserung der Behaglichkeit erreicht werden. Auch Schimmel kann so erfolgreich verhindert werden. Welcher Dämmstoff aber tatsächlich zum Einsatz kommt, wird allzu oft von den Kosten des Dämmstoffs bestimmt, so dass zwar nachwachsende Rohstoffe bevorzugt würden, diese aber leider außerhalb des „Budgets“ liegen, so dass eine Zusatzförderung im Zuge der Optimierung der Gebäudesanierungspakete sinnvoll ist.
Egal welche Dämmstoffe eingesetzt werden und in welcher Stärke die Dämmung erfolgen soll, die fachgerechte Ausführung und der richtige Zeitpunkt der Sanierung spielen eine ebenso maßgebliche Rolle. So muss z.B. das Mauerwerk durchgetrocknet sein, bevor eine Wärmedämmung angebracht wird – so dass der korrekte Zeitraum z.B. für eine Wärmedämmung der Außenwände eher der frühe Herbst ist. Ebenso ist die Wärmedämmung vor Feuchteeintrag unbedingt zu schützen.

 

Quellen: 

„Graue Energie von Neubauten – Ratgeber für Baufachleute“ von EnergieSchweiz: www.energieschweiz.ch
Merkblätter techn. Mindestanforderungen für die KfW-Programme 151 und 153

 

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