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Magazin des LFE

Das Magazin ist die Informationsplattform des LFE für Sachverständige und Interessierte. Auch Gäste nutzen dieses Wissensblog gern. Die Fachartikel regen zur Diskussion an, können kommentiert und mit Ihren Erfahrungen ergänzt werden. Natürlich kann diese Expertise auch mit Dritten geteilt werden.

Kriterien für die Auswahl der geeigneten Bilanzierungssoftware – Drum prüfe, wer sich ewig bindet

Wie findet der Energieberater die für ihn geeignete Software?  Welche Kriterien sollte er bei der Auswahl eines Softwareproduktes berücksichtigen? Nachfolgender Beitrag soll verschiedene Aspekte betrachten, die bei der Auswahl einer Software hilfreich sein können. Eine mögliche Umfrage würde wahrscheinlich folgende häufigste Anforderungen und ihre Priorisierung bei der Auswahl einer Bilanzierungssoftware ergeben:

  • Anschaffungs- und jährliche Wartungskosten
  • Leistungsumfang der Software, welche sinnvollen Zusatzfunktionen müssen zugekauft werden?
  • Anwenderfreundlichkeit/intuitive Bedienung/Handbuch/Hilfemenü
  • Unterstützung/Softwaresupport durch den Anbieter
  • Anzahl Lizenzen/Zweitlizenz im Preis inbegriffen?

Dem Energieberater, der gerade vor der Auswahl der ersten Software steht, wird empfohlen, verschiedene Softwareprodukte ausgiebig auszuprobieren und sich hierfür ausreichend Zeit zu nehmen. Auf den Bau-Leitmessen stellen die einzelnen Anbieter ihre Softwareprodukte vor. Weiterhin werden Probelizenzen angeboten, mit denen die Software in ihrer Handhabung beispielsweise einen Monat lang getestet werden kann. 

Auch der Zertifizierungskurs für Energieberater soll verschiedene Softwareprodukte vorstellen und Möglichkeiten zum Austausch über verschiedene Softwareprodukte geben. Deshalb ist es gerade für den „Neuberater“ ohne Softwareerfahrung und -kenntnis sehr hilfreich, sich mit Mitteilnehmern über deren Erfahrungen mit verschiedenen Softwareprodukte auszutauschen.
Auch Netzwerke sind ideal, um sich auch zu dem Thema mit Fachkollegen zu Software auszutauschen. Es gilt, wie so oft, der Spruch „Drum prüfe, wer sich ewig bindet.“ Ist die Entscheidung erst einmal gefallen, wird der Wechsel mit zunehmender Anzahl bearbeiteter Projekte immer schwieriger. Deutlich einfacher haben es die Energieberater, die vorab z.B. in einem Anstellungsverhältnis die Möglichkeiten hatten, Softwareprodukte „auszutesten“.

Weitere Kriterien der Softwarenutzung

Neben den obigen Hauptkriterien werden erfahrene Softwarenutzer weitergehende Anforderungen an die Software stellen:

  • Programmstabilität (Absturzsicherheit), Programmschnelligkeit
  • Wie können Bauteilflächen erfasst werden – z.B. über einfache mathematische Formeln direkt in der Software, und würde dies eine grafische Erfassung ggf. erübrigen?
  • Wie werden Sanierungsvarianten z.B. für einen Sanierungsfahrplan erstellt, wie können die Sanierungsvarianten verwaltet werden? 
  • Welche Assistenten werden zur schnellen Projekterstellung angeboten?
  • -Gibt ggf. einen Sanierungsassistenten, wie funktioniert dieser und wie werden die Varianten und deren Ergebnisse dargestellt? Ist evtl. sogar eine Art „Vorlagenerstellung“ möglich, mit der einzelne Sanierungsmaßnahmen und Sanierungsvarianten als Zusammenstellung verschiedener Einzelmaßnahmen zu verschiedenen KfW-Effizienzhausstandards kombiniert werden können – unabhängig von Baukörper und Gebäudetechnik als „Vorlage“?
  • Wie funktioniert eine mögliche Wirtschaftlichkeitsberechnung? 
  • Wie funktioniert die Erstellung eines BAFA-Energieberatungsberichtes oder des ISFP, werden Vorlagen angeboten, und wie sind diese editierbar oder verarbeitbar? Dieses Spezialthema der Erstellung des ISFP ist einem eigenen Beitrag vorbehalten.
  • Wie funktioniert die Zonierung bei Nichtwohngebäuden nach DIN V 18599?

Für Energieberater, die BAFA-Vorort-Beratungen mit individuellen Berichten erstellen möchten oder nachhaltigkeitszertifizierte Gebäude (DGNB, BNB, etc) planen wollen, ergeben sich zusätzliche Anforderungen in Hinblick auf die Weiterverarbeitung von Berechnungsergebnissen:

  • -Individuelle Zusammenstellung/Editierbarkeit von Berechnungsdokumentationen
  • Übersichtlichkeit von Berechnungsdokumentationen
  • Weiterverarbeitung/Export z.B. von Berechnungsergebnissen z.B. in Excel und Word
  • Importierbarkeit z.B. von gebäudetechnischen Anlagendaten für gebäudetechnische Anlagen über VDI3805-Schnittstelle (xml)
  • Exportierbarkeit von Ergebnissen für andere Softwareanwendungen z.B. eLCA (Erstellung von Lebenszyklusberechnungen z.B. für DGNB) über xml-Schnittstelle und Export von Ergebnissen für KfW-Berechnungen
  • Gibt es eine Zusatzsoftware für die grafische Gebäudeerfassung und wie funktioniert diese im Zusammenspiel mit der Bilanzierungssoftware?
  • -Schnittstellen zu anderen Softwareanwendungen z.B. für Heizlastberechnung, Simulation Solarwärme/Photovoltaik und Austauschbarkeit von Projektdateien/Ergebnissen – z.B. im Rahmen einer Rohrnetzberechnung?
  • Integration von BIM

Es lässt sich in Anbetracht der Vielzahl der aufgezählten Anforderungen zusammenfassend erwähnen, dass jede Software Stärken wie auch Schwächen aufweist. Generell sollte sich der Energieberater vorab überlegen, welche der genannten Kriterien in welchem Umfang für ihn entscheidend sind. Bietet der Energieberater Heizlastberechnungen und Rohrnetzberechnungen mit an, ist ihm evtl. wichtig, dass er die Projektdateien mit Heizungsbaubetrieben austauschen kann.

Arbeitet der Energieberater mit Partnerbüros zusammen, empfiehlt es sich eventuell, die Software der Partnerbüros zu kennen oder deren Softwareprodukt ggf. zu übernehmen. Auch allgemein empfiehlt es sich, über Berufsverbände und Netzwerke Kollegen zu suchen, die die gleiche Software verwenden, die man eventuell zu nutzen vorsieht, auch um darüber im Vorfeld die Software besser kennen zu lernen und künftig auch Projekte gemeinsam zu bearbeiten oder sich bei Fragestellungen und Problemen auszutauschen oder zu helfen.
Ein generelles Manko aller Softwareprodukte besteht darin, dass Projekte nicht zwischen verschiedenen Softwareprodukten austauschbar sind. Dies wäre einfach über eine XML-Schnittstelle oder über Excel-csv-Schnittstelle z.B. in Hinblick auf Bauteilflächen und deren U-Werte möglich. 

In verschiedenen Bundesländern sind zudem Prüfsachverständige für energetische Gebäudeplanung für Sonderbauten und Wohnbauten ab einer bestimmten Gebäudeklasse zu beauftragen, auch hier ist eine Austauschbarkeit von xml-Dateien für eine einfachere Prüfbarkeit sinnvoll. Eine Austauschbarkeit von Daten zwischen den Softwareprodukten wäre allerdings vom Gesetzgeber einzufordern, damit er von den Softwareherstellern auch tatsächlich umgesetzt wird.

Zukünftig wird gerade die Gebäudetechnik sowohl bei Wohnbauten als auch bei Nichtwohngebäuden maßgeblich darüber entscheiden, wie die gesetzlichen Anforderungen eingehalten werden. Deshalb sollten Energieberater, die keinen gebäudetechnischen Schwerpunkt aufweisen, bei den Eingabemasken für die Gebäudetechnik auf Hilfefenster zur Erläuterung der einzelnen Eingabemöglichkeiten achten. Somit wird auch in Zukunft die enge Zusammenarbeit zwischen Energieberater und Gebäudetechnikplaner im Rahmen der Planung immer wichtiger. Daher ist es von Vorteil, wenn sich über Berufsnetzwerke Energieberater verschiedener Schwerpunkte untereinander ergänzen. Die optimale Kombination bestünde demnach aus einem Architekten bzw. Bauingenieur und einem Gebäudetechniker und ggf. zusätzlich einem Bauphysiker.

Zusätzliche Softwareprodukte für den Energieberater

Neben der Bilanzierungssoftware gibt es verschiedene „Ergänzungs“-Softwareprodukte. Die am weitesten verbreitete ist die Wärmebrückensoftware. Generell werden Wärmebrückenoptimierungen sowohl bei Sanierung als auch bei Neubau zur Erreichung des nächstbesten Effizienzhausstandards zunehmend wichtiger. Zur mehrfachen Verwendung von einmal gezeichneten Details sollte auf möglichst einfache Nach-Editierbarkeit z.B. von Dämmstärken geachtet werden.

Sollen große Projekte bearbeitet werden, gerade in Bezug auf Nichtwohngebäude mit vielen Zonen, empfiehlt es sich, eine Software zur grafischen Gebäudeerfassung einzusetzen. Auch hier empfiehlt es sich, in Abhängigkeit von der verwendeten Software vorab zu prüfen, ob eine kompatible Software verfügbar ist, und diese ebenfalls im Rahmen von Probelizenzen zu testen.

Sofern vom Energieberater auch Heizlastberechnung, Heizflächenauslegung und Rohrnetzberechnungen angeboten werden, ist zu überlegen, ob die Gebäudetechnik-Software separat von der Bilanzierungssoftware ausgewählt wird oder ob eine Schnittstelle und ein Softwarepaket die Vorzugslösung ist. Dies hängt auch davon ab, ob neben der Gebäudetechnik-Planung auch die Bilanzierung durch den Energieberater erfolgt und wie umfangreich die (künftig) zu bearbeitenden Projekte sind/sein sollen.

Fazit

Die Auswahl an Bilanzierungssoftware ist groß, deshalb ist es wichtig, dass der Energieberater im Vorfeld der Entscheidung für ein Softwareprodukt folgende Entscheidungen trifft:

  • Welche Leistungen sollen jetzt und mittelfristig angeboten werden – speziell in Bezug auf Bilanzierung für Nichtwohngebäude oder ggf. Planung nach DGNB?
  • Welche Leistungen sollen zusätzlich angeboten werden (z.B. Heizlastberechnung), und soll diese mit einem passenden Softwareprodukt mit gemeinsamer Grafikerfassung erfolgen oder mit einer externen Software?

Schwerpunkte in Fachzeitschriften oder Messebesuche sowie das Ausprobieren verschiedener Softwareprodukte in Kombination mit dem Austausch unter Fachkollegen erleichtern die Auswahl einer Software.

Zudem sollten Umfragen zu Softwareprodukten mittels aller einschlägigen Fachzeitschriften am besten jährlich erhoben und Kriterien für Umfragen und Marktübersichten erarbeitet werden, anhand derer zumindest jährlich die am weitesten verbreiteten Softwareprodukte vorgestellt werden.

Bei der Austauschbarkeit von Projektdateien zwischen verschiedenen Softwareprodukten ist eine gesetzliche Verpflichtung zur Einrichtung einer xml- oder csv-Schnittstelle hilfreich.

Weiterhin sollten für die Dokumentation von Energieberatungen für Neubau oder Sanierung Mindeststandards hinsichtlich von Pflichtbestandteilen vereinbart werden, wie sie bei BAFA-Berichte für Wohn- bzw. Nichtwohngebäude schon existieren. Für Bilanzierungen von Nichtwohngebäuden kann hier auf eine Publikation von Dr. Kati Jagnow verwiesen werden, herunterzuladen unter www.delta-q.de unter dem Punkt Publikationen/Dokumentation DIN V 18599.


 

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