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Magazin des LFE

Das Magazin ist die Informationsplattform des LFE für Sachverständige und Interessierte. Auch Gäste nutzen dieses Wissensblog gern. Die Fachartikel regen zur Diskussion an, können kommentiert und mit Ihren Erfahrungen ergänzt werden. Natürlich kann diese Expertise auch mit Dritten geteilt werden.

Erste VDI Richtlinie unter Beteiligung des GIH beschreibt den Energieberatungsprozess und -methoden

Oft bedarf es längerer Erklärungen um Auftraggeber zu informieren, worin sich das eigene Angebot z.B. von preiswerten oder sogar kostenlosen Produkten unterscheidet. Manchmal vergessen wir unsere Alleinstellungsmerkmale ausreichend zu betonen. 

Nach diesen Leitlinien wurde Richtlinie VDI/BTGA/GIH 3922 Blatt 1 „Energieberatung - Energieberatungsprozess und -methoden“ unter Beteiligung von Ralph Piterek vom GIH BV Vorstand und der Autorin entwickelt. Der nun vorliegende Entwurf beschreibt die unterschiedlichen Beratungsmethoden der Energieberatung mit ihren Stärken und Schwächen sowie deren Mehrwert für den Kunden. Sie wurden in drei Rubriken aufgeteilt:

Selten decken Energieberater das gesamte Spektrum der Methoden ab, auch wenn sie sich auf den Bereich Gebäude oder Industrie spezialisiert haben. Es gibt jedoch eine Gemeinsamkeit: das Haus oder das Unternehmen wird als System begriffen. Damit ist das Wissen darum gemeint, dass es nicht ausreichend ist energieeffiziente Einzelkomponenten zu verwenden, sondern es geht darum das Zusammenspiel aller Komponenten zu optimieren (Bild 1). 

Bild 1: Energieberatung umfasst alle Gewerke (Beispiel Gebäude), Quelle: G. Renner

Ein Energieberater oder eine Energieberaterin hat also ein Gespür für die Abhängigkeiten, wenn in der komplexen Gemengelage etwas verändert wird.
Aufgaben einer Energieberatung sind:

  • Systematische Strukturierung und Bilanzierung der Untersuchungsobjekte
  • Wissen um alle Ebenen der Untersuchungsobjekte und Möglichkeiten zur Energieeinsparung zusammenstellen
  • Analyse der wesentlichen Energieverbraucher und deren Einflussfaktoren
  • Bildung von Kennzahlen zum Steuern und Überwachen des Energieverbrauchs 
  • Systematische Bewertung von Einflussfaktoren und ggf. Bereinigung um Einflussfaktoren
  • Fundierte Ermittlung von Einsparpotenzialen und deren Wirtschaftlichkeit
  • Erstellung einer für den Anwendungsfall geeigneten Dokumentation der empfohlenen Maßnahmen
  • Begleitung der Umsetzung von Maßnahmen und Verifizierung der erzielten Einsparungen
  • Erstellung eines Umsetzungsfahrplans mit Durchführungshinweisen.

Damit hat Energieberatung Schnittmengen mit anderen Dienstleistungen (Bild 2). 
Was Energieberatern, die gleichzeitig im selben Projekt die Planung übernehmen schon immer klar war: der Übergang zwischen Energieberatung und Planung ist fließend und lässt sich nicht klar abgrenzen. Gleichwohl spricht viel dafür Planung und Energieberatung zu trennen, weil die Sichtweisen unterschiedlich sind. So entspricht die Planung eher einem „worst-case-szenario“, welches auch bei ungünstigen Rahmenbedingungen ein behagliches Innenraumklima ermöglicht. Überdimensionierte Anlagen können jedoch erhebliche Energiekosten in der langen Betriebsphase verursachen und daher unwirtschaftliche Lösungen darstellen.

Bild 2: Abgrenzung und Überschneidung der Energieberatung mit anderen relevanten Dienstleistungen, Quelle: G. Renner/VDI Richtlinienausschuss

Die Richtlinie ermöglicht nicht nur Energieberatern, sondern insbesondere deren Auftraggeber in Rahmen von Angeboten und Ausschreibungen gezielte Anfragen und Qualitätsanforderungen zu stellen. Unterschiede zwischen Initialberatungen und unterschiedlichen Detailberatungen werden deutlich und damit das Qualifikationsniveau der Anbieter. Die Erstellung von Energiebedarfsausweisen wird als eine Methode unter mehreren thematisch einsortiert und kann z.B. mit der Methode des Bedarfs-/Verbrauchsabgleiches verglichen werden. Diskussionen über Vergütungsansprüche und die Abgrenzung zu unterschiedlichen Beratungsangeboten sollten damit einfacher werden. Das erleichtert sowohl die Beschreibung des Angebotes zu eigenen Werbezwecken als auch Versicherungsunternehmen passgenaue Berufshaftpflichtversicherungen anzubieten. 

Bei der Richtlinienarbeit wurde ebenfalls deutlich, dass zwischen der Standardisierung der Methoden von Gebäuden und technischen Anlagen in der Industrie und Gewerbe große Unterschiede bestehen. Ist die Bilanzierung eines Gebäudes mit Hilfe der DIN V 18599 bereits viele Jahre eingeführt gibt es bei komplexen technischen Anlagen nichts Vergleichbares. Daher wird in der Richtlinie ein „Strukturansatz“ vorgestellt, der die systematische Erfassung und Analyse komplexer technischer Anlagen ermöglicht. Die alleinige Optimierung z.B. einer Hallenbeleuchtung wird als Inselansatz beschrieben. 

Bei der Richtlinienarbeit wurde Wert darauf gelegt neue Methoden, wie z.B. der individuelle Sanierungsfahrplan, mit aufzunehmen. Gleichwohl ist damit zu rechnen, dass sich die Methodenvielfalt mit den Jahren noch erweitern wird.

Derzeit sind die Gebäudeenergieberater wegen der Qualitätsoffensive durch die Energieeffizienzexperten fachlich und qualitativ den meisten Energieberatern im Industriebereich im Durchschnitt um einiges voraus und erklärt die vielen fachlich schlechten Energieaudis. Gleichzeitig entstehen in diesem Bereich gerade neue Produkte und interessante Innovationen die dazu führen könnten, dass dieser Abstand sich in ein paar Jahren schließt. Zudem ist hier eine deutlich höhere Affinität zu digitalen Anwendungen und komplexen Softwarewerkzeugen zu beobachten als im Gebäudebereich. Daher sind langfristig Rückwirkungen auf diesen Markt möglich. 

Bei der VDI/BTGA/GIH 3922, Blatt 1 handelt es sich um einen Entwurf, zu dem bis zum 30.4.2020 Einsprüche bzw. Verbesserungsvorschläge einfach über einen Link via www.vdi.de/3922-1 > Blatt wählen > Link unten auf der Seite eingereicht werden können. Man bekommt dann eine Einladung zu Einspruchssitzung Anfang Mai. Tipp: Normen und Richtlinien sind in technischen Hochschulen über Datenbanken kostenlos einsehbar.

Zu der hier beschriebenen Richtlinie gibt es noch das Blatt 2: „Energieberatung – Feststellung der Kompetenz von Energieberatern“ welches inzwischen als Weißdruck erschienen ist. Leider konnte sich der GIH hier nur noch im Rahmen der Einspruchssitzung einbringen. So gibt es z.B. keinen Abgleich mit den Inhalten im Regelheft der Deutschen Energieagentur. Für Energieberatung in der Industrie gehen die Inhalte allerdings über die Anforderungen für Energieberater für KMU hinaus. Zudem handelt es sich um ein Kompetenzfeststellungsverfahren, welches vom Grundsatz her dazu geeignet ist, bereits erworbenes Wissen zu überprüfen und eine ggf. notwendige Weiterbildung auf das notwendige Maß zu reduzieren.

Das Blatt 3: „Planung der Gebäudeenergetik“ geht bei Gebäuden weiter ins Detail und beschreibt, welche Ingenieurleistungen für die Optimierung seiner Gebäudeenergetik in den einzelnen Planungsphasen erforderlich sind. Dabei spielt die Lebenszyklusbetrachtung von Immobilien ebenfalls eine große Rolle.

Autorin: Gisela Renner ist Physikingenieurin und arbeitet seit 1996 als selbständige Energieberaterin und Dozentin. Beim GIH leitet sie die Arbeitsgruppe Berufsbild.
info@rennergie.de 
www.rennergie.de


 

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