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Blog des LFE

Passivhaus bei Neubau und Sanierung

gepostet von (527 x gelesen) im
Nov 03 2017

Passiv geht Groß und Klein sowohl im Neubau als auch bei Sanierungen

Entsprechend des Energiekonzeptes der Bundesregierung, soll der Energiebedarf im gesamten Gebäudebestand bis 2050 um 80 Prozent sinken. Ein ehrgeiziges Ziel, dessen Erreichung bei der derzeitigen Sanierungsquote gegenwärtig unrealistisch erscheint. Der Monitoring-Bericht zu den KfW-Programmen „Energieeffizient Bauen“ und „Energieeffizient sanieren“ für das Jahr 2015 dokumentiert, dass die Sanierung zum besten KfW-Effizienzhausstandard 55 - der auch die Sanierung zum Passivstandard mit umfasst – leider noch Seltenheitswert hat.

Bei der Anzahl der Förderzusagen dominieren mit 88 % deutlich die Einzelmaßnahmen. 91 % aller Förderzusagen wurden für 1-2-WE-Häuser inkl. Eigentumswohnungen in MFH gewährt. In Bezug auf die Anzahl geförderter Wohnungen werden 8 von 10 Wohnungen über das Programm Einzelmaßnahmen gefördert.

Innerhalb des Programms 151 – Sanierung zu einem der verschiedenen KfW-Effizienzhausstandards nimmt der Effizienzhausstandard in Bezug auf die geförderten Wohnungen 6,1 % bei Ein- und Zweifamilienhäusern ein, bei Gebäuden mit mehr als 3 WE sind es 5,5%.

Woran liegt es, dass der Anteil der Komplettsanierungen so gering ist?

Betrachtet man, dass die Anzahl der als Einzelmaßnahmen geförderten Sanierungen deutlich dominiert wird und überwiegend Eigentümer von 1-2 WE-Gebäuden bzw. von Eigentumswohnungen die Förderungen in Anspruch nahmen, kommen folgende Begründungen infrage:

  • Informationsdefizite bei den Eigentümern,
  • fortgeschrittenes Alter der Eigentümer im Hinblick auf die Darlehensgewährung,
  • unzureichende finanzielle Ausstattung der Eigentümer,
  • aus Bauherrensicht noch zu geringe finanzielle Anreize,
  • aus Bauherrensicht komplizierte Antragstellung oder zu hohe Auflagen,
  • Ggf. auch unzureichende Beratungsleistungen der Planer.

Derzeit beträgt der Tilgungszuschuss bei Erreichung des Effizienzhausstandards 55 27,5 %. Der Abstand zum Effizienzhausstandard 70 ist allerdings mit 5 % eher gering.

Das Gros bei der Eigentümerstruktur der geförderten Sanierungen nehmen Einzelpersonen mit 86,7 % ein. Wohnungsunternehmen und Genossenschaften nehmen einen Anteil von nur 5 % Anteil ein.

Ein häufig angeführtes Hemmnis sind die komplizierte Antragstellung und die Aufsplittung der Kosten bei Inanspruchnahme verschiedener Förderprogramme bei den Wohnungsbaugesellschaften bzw. -Genossenschaften.

Insbesondere in Hinblick auf die Erhöhung des Anteils von Sanierungen auf Passivhausstandard (gefördert als Effizienzhausstandard 55 bei Sanierungen) leiten sich folgende Maßnahmen ab:

  • Verstärkte Aufklärungsarbeit durch Passivhausplaner und Energieberater z.B. durch breite Öffentlichkeitsarbeit, Aktionstage, Bauherren-Akademien z.B. über die Volkshochschulen. Hier ist die Internetseite der IG Passivhaus (http://www.ig-passivhaus.de/ ) ebenso wie die Seite des Passivhausinstitutes (www.passiv.de), inkl. der Passipedia (https://passipedia.de/ ) zu empfehlen. Weiterhin findet alljährlich der Tag des Passivhauses statt. Auch ein Passivhaus-Probewohnen wird in einigen Hotels angeboten.
  • Verstärkte Informationskampagnen, um die Vorteile der Sanierung auf Passivhausstandard deutlicher herauszustellen, insbesondere indem erfolgreich umgesetzte Sanierungen auf allgemein zugänglichen Internetplattformen veröffentlicht werden.
    Hier steht die Internetseite http://www.passivhausprojekte.de/index.php# mit Dokumentationen zu abgeschlossenen Passivhausprojekten den interessierten Bauherren inkl. der Kostenangaben zur Verfügung. Über die erweiterte Suche kann auch nach Passivhaussanierungen recherchiert werden. Verlinkt sind die Passivhausprojekte auch über die Seite des Passivhausinstituts oder der IG Passivhaus.

Das Potenzial ist groß  – Wohnflächen nach Baualtersklassen

Wohnflächen nach Baualtersklassen (Auswertung der Gebäudetypologie 2013 – Basis: Gebäude- und Wohnungszählung 2011

Betrachtet man die Verteilung von Wohnflächen nach Baualtersklassen und deren Aufteilung nach Einfamilienhäusern (EFH), Reihenhäusern (RH), Mehrfamilienhäusern (MFH) und großen Mehrfamilienhäusern(GMH), beträgt der Anteil von Wohngebäuden, die von den Jahren 1948 bis 1994 errichtet wurden, insgesamt 60 %. Gerade diese Gebäude sind für eine Sanierung auf Passivhausstandard aus energetischer Sicht die bevorzugte Zielgruppe.

Wie erreicht man den Passivhausstandard bei Sanierung?

Beispiele des Passivhausinstitutes zeigen, dass gerade im Geschosswohnungsbau, aber auch bei Einfamilienhäusern der Passivhausstandard realisierbar ist. Im Rahmen des Projektes PHiB (Passivhaus im Bestand) wurden mehrere Bestandsgebäude – gerade im Geschosswohnungsbau - auf (Nahezu-)Passivhausstandard saniert.

Im Folgenden soll sowohl für Einfamilienhäuser als auch für große Mehrfamilienhäuser aufgezeigt werden, dass der Passivhausstandard realisierbar ist.

Sanierung von Geschosswohnbauten auf Passivhausstandard

Auf den Seiten des Passivhausinstituts (www.passiv.de) finden sich Dokumentationen erfolgreicher Sanierungen zum Passivhausstandard, die das Rezept zur Erreichung des Passivhausstandards dokumentieren:

In Frankfurt a.M. wurde zwei Wohnblöcke aus den 50er Jahren mit 60 WE in der Tevestraße zum Fast- Passivhausstandard saniert. Das Gebäude hat drei Vollgeschosse, zusätzlich wurde ein viertes Dachgeschoss als Staffelgeschoss im Zuge der Sanierung errichtet. Der Passivhausstandard wurde mit einem Heizwärmebedarf von 17 kWh/m²a fast erreicht. Der Heizwärmebedarf konnte nach PHPP um 94 % reduziert werden.

In Ludwigshafen wurde ein Gebäude in der Hoheloogstraße ein Wohnbau aus dem Jahr 1965 mit 3 Vollgeschossen und 2 Aufgängen (insgesamt 12 Wohnungen) zum Fast-Passivhaus saniert. Die Sanierung erfolgte im Jahr 2005/2006 und wurde vom Passivhausinstitut wissenschaftlich begleitet und ausgewertet. Der Heizwärmebedarf konnte auch bei diesem Gebäude um 94 % reduziert werden und beträgt nach PHPP 16 kWh/m²a.

Die Eckdaten der Sanierung auf einem Blick:

In beiden Fällen waren Dämmstärken und Maßnahmen der Gebäudetechnik ähnlich und sollen hier kurz zusammengefasst werden.

Weitere Maßnahmen:

  • Einbau der Fenster in die Dämmebene zur Reduzierung der Wärmebrücken. Heute sind U-Werte von Fenstern auch ≤ 0,80 W/m²K möglich.
  • Zusätzlich wurden Wärmebrücken reduziert und die Luftdichtigkeit der Gebäude deutlich verbessert.
  • Die Lüftung über dezentrale Geräte mit Wärmerückgewinnung in den Wohnungen mit einem Wärmerückgewinnungsgrad.
  • Die Beheizung erfolgt in Ludwigshafen mit einem Erdgas-Blockheizkraftwerk und in Frankfurt mittels Gas-Brennwertkessel und Solarwärme-Kollektoren, eine Wohnung wurde außerdem mit einem Wärmepumpen-Kompaktgerät ausgestattet.

Bei der Dämmung der Außenwände sind Aufschläge für die Dübel zu berücksichtigen. Die Anzahl der Dübel hängt von der Windlastzone, sowie von der Höhe des Gebäudes ab.

Die Dämmstärke für die Kellerdecke ist ggf. durch die lichte Höhe des Kellers begrenzt, so dass nur mäßige Dämmstärken kellerseitig eingebaut werden können, die oberseitig ergänzt werden müssen.

Wesentliche Wärmebrücken sind einbindende Kellerwände in die Decke, die durch Flankendämmungen der Wände mit ca. 30 cm Länge verringert werden können. Kritisch ist auch der Anschluss Erdgeschoss über unbeheiztem Keller. Hier ist eine Sockeldämmung erforderlich. Auskragende Balkonplatten oder Überdächer sind abzutragen werden und durch vorgesetzte Balkone oder Überdachungen zu ersetzen. Generell können die genannten Wärmebrücken im Bestand nur optimiert und dadurch in ihrer Wirkung reduziert werden.

Die Passivhausstandards alt und neu

Mit der Einführung des Passivhausprojektierungspaketes Version 9 im April 2015 wurde die Kennzahl „Primärenergiebedarf nicht Erneuerbar – (PE) “ durch die Kennzahl Primärenergiebedarf erneuerbar (PER) – bezogen auf die Energiebezugsfläche - ersetzt.

Außerdem wurden drei neue Passivhausklassen definiert. Diese unterscheiden sich zum einen im Primärenergiebedarf erneuerbar (PER) und zum anderen darin, wie viel erneuerbare Energie am und im Gebäude z.B. durch eine Photovoltaikanlage in Bezug auf die überbaute Grundfläche erzeugt wird.

Welche Dämmstärken hinsichtlich der baulichen Sanierung empfohlen werden, zeigt folgende Übersicht. Dabei vertritt das Passivhausinstitut die „Wennschon-dennschon“ -Philosophie, die sich auch in den Dämmstärken äußert:

Es sei dem Bauherrn überlassen, ob er den Passivhausstandard gerade so erreichen möchte, oder eher in Richtung des niedrigeren U-Werts gehen möchte, mit dem Ziel, eine noch höhere Unabhängigkeit von Heizenergie zu erreichen.

Prinzipiell ist für ein Einfamilienhaus die Kompaktheit (ausgedrückt im A/V-Verhältnis) ungünstiger als für ein Mehrfamilienhaus. Damit ist der Heizwärmebedarf im Vergleich zu den Dämmstärken im Einfamilienhaus höher, als in größeren Mehrfamilienhäusern.

Dafür sind im Einfamilienhaus höhere Freiheiten bei der Gebäudetechnik und höhere Anteile solar erzeugter Energie (Wärme und Strom) möglich – es ist prinzipiell eher z.B. der Standard Passivhaus-Plus- oder Premium erreichbar.

Mit Gas-Brennwertkessel plus Solarwärme lassen sich die neuen Passivhausstandards nicht mehr erreichen. Sollen die Passivhausstandards classic, plus oder premium erreicht werden, können Konzepte auf Basis von Wärmepumpen mit Erdsondenfeldern in Kombination mit Photovoltaik und/oder Solarthermie in Frage kommen, aber auch auf Basis von Kraft-Wärme-Kopplung oder Fernwärme, mit 70% KWK-Anteil.

Eine Übersicht sinnvoller Kombinationen der Gebäudetechnik zeigt zusammenfassend folgende Tabelle:

Legende: +++ sehr geeignet, + geeignet, nicht zu groß zu dimensionieren.

Ein energetisches Problem ist gerade in Mehrfamilienhäusern die Warmwasserbereitung. Eine Lösung können hier die sogenannten Frischwasserstationen sein – bei denen Vorlauftemperaturen von 50 – 55 °C ausreichen, da die Warmwasserbereitung dezentral in der Wohnung erfolgt. Eine andere Lösung sind dezentrale Wärmepumpen in den einzelnen Wohnungen.
 

Fazit:

Grundsätzlich ist der Passivhausstandard auch bei Sanierung erreichbar, wie die Dokumentationen erfolgreicher Passivhaussanierungen sowohl auf der Seite des Passivhausinstituts als auch in der Projektdatenbank zeigen.

Soll der Anteil von Passivhaus- bzw. KfW-Effizienzhaus-55-Sanierungen auf klimapolitisch wirksame Anteile gesteigert werden, sind noch deutlichere finanzielle Anreize zu setzen. Eine Erhöhung des Tilgungszuschusses auch im Vergleich zu den anderen Effizienzhausstandards ist zu prüfen. Weiter ist zu überlegen, ob auch in der Sanierung der KfW-Effizienzhausstandard 40 für Passivhäuser eingeführt wird, ebenso wie das Pluspaket für Lüftungsanlage, Photovoltaikanlage und Batteriespeicher.

Entscheidend ist der Wille und der Informationsstand der Bauherren, den Passivhausstandard auch tatsächlich umsetzen. Hier bleibt vorerst viel zu tun, den Passivhausstandard auch in der Sanierung weiter zu verbreiten und Informationsdefizite abzubauen.
 

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